Es ist augenscheinlich einfach Porträtfotos vorm Fenster zu machen. Du musst keine Blitze positionieren und keinen Reflektor halten. Das Model stellt sich einfach vors Fenster und wird vom Licht hell erleuchtet. Das sieht immer gut aus, denn Hautunreinheiten sind dadurch nicht sichtbar und das Licht scheint (auf dem Gesicht) überall zu sein. Es kommt einem Beautylicht nahe. Was will man mehr? Naja, es gibt Vorgehensweisen, die du nicht beachten musst, aber kannst, um deinen Look zu kreieren.  

Lichtintensität nimmt über den Abstand zum Quadrat ab

Nahe am Fenster zu fotografieren bedeutet härte Schatten (mehr Kontrast).

Die Lichtintensität nimmt über den Abstand zum Quadrat ab. Ich versuche das mal zu erklären. Nehmen wir an, das Model steht 1m vom Fenster entfernt und geht einen weiteren Meter zurück (2m vom Fenster entfernt). Dann hat sich die Lichtintensität von 100% bei 1m auf 25% bei 2m verringert. Der Abstand ist x und kann durch andere Werte ersetzt werden z.B. wenn 20 cm die Ausgangssituation ist, dann wäre die Lichtintensität bei 10cm nur 25%. Eine weitere Verdopplung der Entfernung ergibt eine Verringerung der Lichtausbeute von 1/4. Somit würdest du bei einer Entfernung von 1m folgende Lichtausbeute beziehen: 1m = 100%, 2m = 25%, 4m = 6%, 8m =  2% …

Wie man anhand der Aufstellung sehen kann, nimmt die Lichtausbeute am Anfang stark ab. Ab 4m geringfügig. Worauf ich mit diesen Zahlen hinaus möchte ist der Lichtabfall, der den Kontrast beeinflusst. Wenn du das Model etwas weiter vom Fenster platzierst, dann hast du einen geringeren Lichtabfall und dadurch einen weicheren Übergang zum Schatten. Wenn das Model nahe am Fenster steht, dann ist dieser Übergang härter (härtere Schatten). Direkt vorm Fenster von vorne fotografiert merkst du es bedingt, aber sobald das Model sich oder ihr Gesicht ein bisschen dreht, dann hat es große Auswirkungen. Durch die Entfernung zum Fenster kannst du den Übergang zum Schatten beeinflussen. Zusammengefasst: Wenn du weiche Schatten haben möchtest, dann solltest du das Model etwas weiter weg vom Fenster positionieren. Den Lichtabfall musst du eventuell durch eine offenere Blende oder ISO kompensieren.

ACHTUNG: Der Lichtabfall hat auch Auswirkungen auf den Hintergrund. Wenn du frei in der Wohnung ohne Leinwand Porträts erstellst, dann hat die Entfernung zwischen Model und Fenster Einfluss auf die Sichtbarkeit des Hintergrund bzw. auf die Tiefe des Bildes. Aber darauf komme ich in einem anderen Beitrag.

Das Shooting mit Michelle

lichtdiagram
Klassischer Aufbau für Fensterlicht Porträts

Ich wollte mal wieder was einfaches machen. Ohne viel Schnick Schnack Porträtfotos erstellen. Der Hintergrund sollte eine Struktur haben. Ich hätte die Fotos mit meinen einfarbigen Leinwänden machen und dann mit Hilfe von Photoshop Hintergründe einzufügen können. Aber es sollte bereits out-of-cam richtig sein. Also entschied ich mich einen billigen Hintergrundstoff bei Amazon zu bestellen. Nicht einmal 5 Euro hatte der Stoff gekostet und so fühlt der sich auch an. Dennoch hat er seinen Zweck erfüllt. Ich musste die Knicke im Stoff mit Lightroom und Photoshop entfernen, aber das ist mit dem Reparaturpinsel schnell gemacht. Den Stoff kannst  hier kaufen Holzboden Props – TOOGOO (Affiliatelink). Alle Fotos wurden mit der Fujifilm X-T2 gemacht. Die genauen Daten habe ich unters jeweilige Foto geschrieben.

Fujifilm X-T2, Fujifilm 56mm 1.2 (1/125, 1.2, ISO200)
lichtdiagram fensterlicht 2
Bei Photoshoots ändere ich ständig meine Postion um verschiedene Fotos zu erstellen.

Nachdem wir einige Porträtfotos gemacht hatten, hatte ich den Hintergrund ein bisschen gedreht um das Licht von der Seite auf den Körper scheinen lassen. Ich persönlich probiere beim Fotografieren verschiedene Winkel aus und drehe das Licht, wenn ich z.B. mit Blitzen arbeite. Das hilft mir zu verstehen, was funktioniert und was nicht. Ich kann es dir nur empfehlen, denn auch wenn Bücher und Videotutorials für die Weiterentwicklung wichtig sind, ist nichts besser als ausprobieren. Dieses Shooting war übrigens der Auslöser für die Idee meiner Challenge 2018.

In der Postproduktion hatte ich mich ausgetobt. TfP-Shoots nutze ich gerne um neues während des Shoots und in der Post auszuprobieren. ich bearbeite die Fotos manchmal unterschiedlich, um zu sehen wie diese auf mich wirken und in einigen Wochen, Monaten und Jahren auf mich wirken werden. 

Schwarz/weiß oder doch lieber Farbe? Die Entscheidung fällt mir schwer! (Fujifilm X-T2, Fujifilm 56mm 1.2 (1/160, 1.8, ISO200)

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